Einer meiner Blog-Beiträge



Island – Land zwischen Feuer und Eis im März 2024

Veröffentlicht am

Liebe Leserinnen und Leser!

In diesem Blog verwende ich zum aller ersten Mal ein anderes Medium.

Diese Reise haben wir mit dem Reiseveranstalter GeoRG aus Senden unternommen. Als Reiseleiter und Organisator begleitete unsere kleine, aber feine Reisegruppe Herr Uwe Maaß.

Er ist Experte für Reisen in der Polarregion, ein fantastischer Fotograf und vor allem ein sehr fürsorglicher Reiseunternehmer. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, über unsere Tour einen herrlichen Bericht zu verfassen.

Mit seiner Erlaubnis darf ich den Bericht hier für Euch Interessierte veröffentlichen.

Genießt seine Ausführungen und vor allem seine Fotografien.

Viel Spaß und Freude dabei!

Euer Mayk!




Island 2024


Natur- und Fotoreisen

„Nordlichter an der Waterkant“
09.03. – 17.03.2024




Island – Nordlichter an der Waterkant

Unsere erste Reise 2024 führte uns vom 9. – 17. März wieder nach Island. Der Titel „Nordlichter an der Waterkant“ gab schon den Hinweis, um was es ging: wir suchten die Kombination von Nordlichtern und Küste, bzw. Wasser. Der gesteckte Rahmen war dabei das westliche und nördliche Island, einschließlich einer Visite beim Geysir und beim Gullfoss. Die große Halbinsel Snæfellsnes mit ihrer abwechslungsreichen Küstenlinie und Gebirgslandschaft galt es zu erkunden und danach ging es nach Norden in den Ort Hvammstangi, der mit dem Slogan „Land der Robben“ wirbt (und damit auch nicht übertreibt). Und die Nordlichter? Ja, die waren auch da, wir wurden wahrhaftig nicht enttäuscht. An mehreren Abenden zeigten sich die Sterne und auch die Nordlichter, die Aurora Borealis, tanzten am Himmel und zogen uns in ihren Bann.

Samstag, 9. März.

Bei der Landung deutete noch nicht viel auf unsere winterliche Reisezeit hin, zumindest gab es keinen Schnee in der Landschaft. Die Temperatur war dagegen schon frisch und der Jahreszeit gemäß. Ohne Mühe fanden wir uns am Flughafen zusammen, zumindest all die, die nicht schon etwas früher angereist waren, um noch etwas mehr Zeit für diese faszinierende große Insel zu haben. Nach nur wenigen Minuten Fahrzeit erreichten wir mit dem Städtchen Keflavík schon unser erstes Ziel. Die Stadt ist nicht schön im eigentlichen Sinne, aber perfekt um eine Reise zu beginnen, besonders im Falle von Flugverspätungen oder verspätet ankommendem Gepäck, und auf solches Ungemach muss man immer eingestellt sein.

Bei uns hat aber alles geklappt und so konnten wir auch zügig unsere Zimmer im Gästehaus beziehen und schon einmal einen Kaffee aufsetzen, um uns anschließend zu Fuß aufzumachen in Richtung des kleinen Hafens. Dort kehrten wir im Kaffi Duus ein, einem ansprechenden Restaurant, das uns auch an diesem Abend nicht enttäuschte. Als kleine isländische Begrüßung bestellte unser Reiseleiter Uwe eine Portion Gammelhai (Håkal). Diese isländische „Spezialität“ wird mit Brennivin, einem isländischen Schnaps gereicht und ist wirklich etwas Spezielles und eine Erfahrung wert; dazu nur so viel, dass jeder dieser Erfahrung gegenüber offen sein sollte :-)

Sonntag, 10. März.

Das Wetter verhieß Gutes, also machten wir uns nach dem Frühstück schon bald daran, den Wagen zu beladen. In den ersten Tagen müssen sich die Abläufe dazu immer noch einspielen, schon bald ist aber klar, welches Gepäckstück wohin muss. Und dass die Kiste mit den Leckereien ganz nach oben gehört, versteht sich von selbst.

Unseren ersten Stopp legten wir ein an dem Museum Víkingaheimar („Viking World“) in dem nahen Ort Njardvík. Neben der Siedlungsgeschichte, den Lebensumständen und der Mythologie der frühen Siedler Islands ist ein Nachbau eines Wikingerschiffs samt aller Informationen um die Seefahrt der Wikinger Inhalt der Ausstellung. Das Schiff ist eine Kopie des in Norwegen gefundenen Gokstad-Schiffes, das auf das Jahr 870 n.Chr. datiert werden konnte. Mit diesem nachgebauten Schiff fuhr der Erbauer und Kapitän Gunnar Marel Eggertsson im Jahr 2000 von Island über Grönland an die Küste Amerikas um nachzuweisen, dass solche Überfahrten durchaus möglich waren.

Den nächsten Halt legten wir ein an der Straße 43, die nach Grindavík führt und die durch den Vulkanausbruch der Spalte Sundhnúksgígar am 8. Februar von Lava überflossen wurde. Seit März 2021 ist der Vulkanismus auf der Halbinsel Reykjanes nach langer Zeit wieder aktiv und der gegenwärtige Eruptionszyklus bedroht den Ort Grindavík, das Kraftwerk Svartsengi und auch das Thermalbad Bláa Lónið („Blaue Lagune“). Es beeindruckte uns sehr, das noch dampfende Lavafeld zu betrachten, schließlich war hier die neue Erdoberfläche gerade einmal einen Monat alt! Und auch der „Blauen Lagune“ statteten wir einen Besuch ab, wenn auch nur im Außenbereich.

Dann ging es für uns weiter. Zunächst stoppten wir noch am See Kleifarvatn und an den dampfenden und nach Schwefel riechenden Quellen des Hochtemperaturgebiets Seltun. Die Küstenstraße im Süden fuhren wir entlang bis zu dem Ort Þorlákshöfn. Hier beginnt der schwarze Lavasandstrand, der sich über weite Bereiche der Südküste erstreckt. An unserer Stelle vermischte sich der schwarze Sand mit gelben Muschelsand, so dass durch kleine Wasserströme am Strand faszinierende Sandbilder entstanden.

Unser Weg führte uns dann über das Örtchen Eyrarbakki und über Selfoss und Fluðir zu einer Stelle, wo der Fluss Hvítá einen Cañon im weichen Sedimentgestein bildet. Es ist kaum vorstellbar, dass der an dieser Stelle recht schmale Fluss wenige Kilometer stromaufwärts den großen Wasserfall Gullfoss bildet. Auch zu diesem Schauspiel fuhren wir an diesem Nachmittag noch, unser Hotel lag schließlich nur wenige Kilometer entfernt. Und so nutzen wir das gute Wetter mit der noch nicht zu tief stehenden Sonne und warfen einen Blick in das Getöse, in dem die Hvítá in zwei Fallstufen in die Tiefe stürzt.

Dann war es aber auch erst einmal genug der frischen Luft, schließlich musste auch einmal wieder etwas in den Bauch und das Restaurant in unserem Hotel erwartete uns schon. Zwar war die Nordlichtprognose für den Abend nicht sehr gut, aber der Himmel versprach klar zu bleiben und so verabredeten wir uns noch zu einem Fototest. Schließlich sollte man Kamera und Stativ im Dunkeln beherrschen können, wenn dann wirklich einmal Nordlichter erscheinen. Und gerade die Einstellungen von ISO-Zahl, großer Blenden-öffnung, Belichtungszeit, Selbstauslöser, Weißabgleich und Fokus müssen stimmig sein, und einem leicht von der Hand gehen. Auch die Rücksichtnahme auf die Mitfotografen bezüglich der eigenen Position und der Lichtemission durch Taschen- oder Stirnlampen muss sich einspielen. Die ruhige Ausprobierphase (mit dem Ziel schöner Sternaufnahmen) wich allerdings ganz schnell der Hektik, da sich doch schon gleich Nordlichter sehen ließen und ein jeder (und eine jede) wollte diese doch auch gleich mit der eigenen Kamera einfangen. Aber selbst ohne die lichtsammelnde und verstärkende Wirkung der Kamera waren die Nordlichter schon mit dem bloßen Auge gut zu sehen; ein schöner Einstiegstag in diese Reise!

Montag, 11. März.

Auch heute war die Wetteraussicht gut und so packten wir nach einem guten Frühstück gleich unsere Sachen in den Wagen und machten auch schon bald wieder einen Stopp. Es war tatsächlich noch früh genug, dass beim Geysir und seinem „springenden Nachbarn“ Strokkur noch nicht viel los war. Circa alle 10 Minuten bricht der Strokkur aus und schießt im günstigsten Fall eine schlanke Säule heißen Wassers in die Höhe. Einige Ausbrüche bleiben aber auch etwas stecken und bilden keine spektakuläre Fontäne. Aber auch die hellblaue Wasserblase, die sich bei jedem Ausbruch bildet und für den Teil einer Sekunde zu sehen ist, ist spektakulär. Gerade bei Sonnenschein ist die Farbe dieser „bubble“ sehr schön! Nach einer guten Zeit hieß es dann für uns wieder auf die Straße, schließlich hatten wir noch ein gutes Stück des Weges vor uns.

An einer für Island besonderen Stelle konnten wir ebenfalls nicht vorbeifahren. Direkt am großen See Þinkvallavatn liegt der historische Versammlungsplatz Þinkvellir. Nicht nur, dass im Jahre 930 n.Chr. an diesem Platz eine Versammlung der Goden (einflussreiche Regionalhäuptlinge) mit der Annahme eines einheitlichen Rechts für Island damals die Grundlage für den späteren Staat legten, hier wurde schließlich auch am 17.06.1944 die Republik Island endgültig als unabhängiger Staat ausgerufen, nachdem eine Volksabstimmung mit sehr großer Mehrheit die Loslösung von Dänemark und die eigene Unabhängigkeit beschlossen hatte. Wir nutzten das schöne Wetter zu einer kleinen Wanderung entlang der Felswand westlich des Sees. An dem Weg weisen viele Informationstafeln auf die jährlichen Versammlungen in früherer Zeit hin, auf die Gesellschaft, die frühe Politik und Rechtsprechung.

Eine Pause zur Stärkung legten wir an einem Parkplatz mit Sitzgruppe und schöner Aussicht über den großen See ein, bevor es weiterging über den Ort Borgarnes in Richtung der Halbinsel Snæfellsnes. Einen letzten kurzen Stopp legten wir noch an der Felswand Gerðuberg ein. Die Wand besteht aus beeindruckenden langen und dicken, senkrecht stehenden Basaltsäulen. Die Säulen-struktur des Gesteins bildet sich, wenn die Schicht glutflüssiger Lava sehr langsam abkühlt und sich dabei zusammenzieht. Die Säulen entstehen dabei senkrecht zu den jeweiligen Abkühlungsflächen.

Schließlich erreichten wir Grundafjörður, am gleichnamigen Fjord gelegen, unseren Ort für die kommenden drei Nächte. Nachdem wir die Zimmer in unserem Gästehaus bezogen haben, machten wir uns auf den kurzen Fußmarsch in das Harbour Cafè, ein kleines aber feines Restaurant.

Dass der Tag aber auch dann noch nicht beendet sein sollte, verdanken wir auch wieder einer himmlischen Leuchterscheinung. Wir waren eigentlich schon in den Federn, als schließlich gegen ein Uhr ein Blick aus dem Fenster verriet, dass sich die Aurora Borealis, das Nordlicht, wieder sehen ließ. Und direkt vor unserer Unterkunft war eben ein Platz, von dem man über das Wasser zu dem eindrücklichen Berg Kirkjufell sehen konnte und darüber tanzten die Lichter. Genau dafür waren wir schließlich gekommen: „Nordlichter an der Waterkant!“


Dienstag, 12. März.

Diesen Morgen ließen wir etwas später angehen, schließlich waren wir ja in der Nacht noch einige Zeit draußen gewesen. Der Blick beim Frühstück über den großen Fjord Grundarfjörður und auf den einfach schönen Berg Kirkjufell (463 m) ließ die Vorfreude auf den Tag schon wieder ansteigen. Wir starteten mit einer kleinen Wanderung durch den Ort zu dem Wasserfall Kirkjufellsfoss. Der Blick über den Wasserfall hinüber zu dem von hier aus glockenförmigen Berg gehört zu den beliebtesten Fotomotiven Islands. Aber auch schon der Wasserfall mit seinen zwei Fallstufen ist bemerkenswert und schön. Ganz in der Nähe liegt ein kleiner See, der bei Windstille ein perfektes Spiegelbild des Berges bietet; hier kann man einfach Landschaft genießen.

Gegen Mittag machten wir uns dann auf den Weg ganz in den Westen der Halbinsel. Unser Ziel war hier die Höhle Vatnshellir. Bei einem Ausbruch des Vulkans Snæfellsjökull vor ca. 8000 Jahren überdeckte eine dicke Lavadecke die Landschaft. Teils floss noch flüssige Lava unter der schon erhärteten Kruste weg und hinterließ ein weitläufiges Höhlensystem mit Gängen und Hallen und auch mit Tropfsteinen aus Lava. Nach unserer spannenden Höhlenführung fuhren wir an die Südspitze der Halbinsel Snæfellsnes. Hier befindet sich der große Leuchtturm Malarrífsviti und das Nationalparkhaus für den Nationalpark Snæfellsjökull. Sehenswert sind an dieser Stelle ebenfalls die Felsnadeln Lóndrangar, die als Reste von Vulkanschloten der Abtragung mehr Widerstand leisteten als der übrige ehemalige Vulkan.

Dann ging es zurück gen Norden in unseren beschaulichen Ort, wo wir schließlich im Kaffi 59 zum Abendessen einkehrten.

Mittwoch, 13. März.

Nach der Frühstücksstärkung machten wir uns wieder auf den Weg auf der Passstraße über die Froðarheidi in Richtung der Südküste der Halbinsel. Die sehr schöne Aussicht über die Küstenlandschaft ließ uns einen Fotostopp einlegen, vergegenwärtigte uns aber auch, dass es eben wirklich noch Winter ist. Ein eisiger Wind zog hier über die Höhe. Etwas weiter unten und mehr im Schutz der Berge machten wir halt an der Felsspalte Rauðfelsgja. Ein Bach hat sich hier tief in eine Felswand eingeschnitten. Im Sommer ist es immer eine etwas glitschige Kraxelei und kann, je nach Wasserstand des Baches, auch sehr nass sein. Jetzt im ausgehenden Winter lag noch viel Schnee in der Felsspalte und erlaubte ein etwas einfacheres Betreten. Vorsicht war dennoch angesagt und ohne gute Spikes unter den Sohlen ging es nicht.

Im Anschluss fuhren wir noch ein kleines Stückchen, um im Ort Hellnar zu stoppen. Die Steilküste bietet hier mit hohen Abbrüchen, ausgewaschenen Höhlungen und Bögen sowie vielen Inselchen eine spektakuläre Szenerie. Ein wunderschöner Wanderweg geht von hier zunächst entlang der Steilküste in Richtung Westen und erreicht bald einen großen, alten Lavastrom, der von den Hängen des Snæfellsjökull in Richtung Meer floss. Wir gingen noch ein Stück des Weges durch das bizarre Lavagestein, bevor wir Kehrt machten und zurück nach Hellnar gingen. Hier widmeten wir uns zunächst auch noch einmal wieder unserer Verzehrkiste, bevor wir unser nächstes Ziel ansteuerten. An einer felsigen Landzunge an der Südküste finden Seehunde und Kegelrobben gute Liegeplätze und wir wollten ihnen einen kleinen Besuch abstatten. Tatsächlich konnten wir einige Tiere zu Gesicht bekommen und schlichen uns im Schutz von Felsen heran. Von einem Wal, der hier 2021 strandete, lagen noch einige Schädelknochen und Reste der Wirbelsäule herum. Dann war auch dieser Tag wieder so weit fortgeschritten, dass es für uns in Richtung unseres Gästehauses ging. Abends kehrten wir noch einmal im Harbour Cafe ein und auch dieses Mal war es wieder lecker!

Der weitere Abend zeigte sich leider nicht wolkenlos und auch einen grünen Schimmer durch die Wolkenlücken konnten wir nicht ausmachen, also gingen wir ohne erneute Nordlichter zu Bett.

Donnerstag, 14. März.

Nun hieß es nach dem Frühstück wieder Sachen packen und im Fahrzeug verstauen. Insgesamt waren die Tage hier wirklich schön, wobei der Süden der Halbinsel, wo wir uns vermehrt aufgehalten haben, wettermäßig besser dran war als der Norden. Aber genau das mach Snæfellsnes aus, dass man je nach Wind sich die bessere Seite aussuchen kann.

Von unserer Straße entlang der Nordküste bogen wir noch einmal ab auf die Piste 558, die sich durch das Lavafeld Berserkjahraun schlängelt. Einige Vulkankegel sind intensiv rot gefärbt und lassen erahnen, welches Inferno hier geherrscht haben muss zu Zeiten des aktiven Vulkanismus in der Region. Über das stark zerklüftete Lavafeld führen alte Stein-haufen als Wegmarken den ursprünglichen Pfad. Das gibt uns einen Eindruck davon, wie beschwerlich es gewesen sein muss, sich an Land von einem Ort zum anderen zu bewegen. Kurz vor der Einmündung wieder auf die große Straße erwies sich der Weg aber durch Schneeverwehungen unpassierbar und wir mussten umkehren. Nach einigen weiteren Kilometern erreichten wir schließlich das Städtchen Stykkishólmur, die größte Siedlung auf der Halbinsel. Von dem Felsen, auf dem der Leuchtturm steht und der das Hafenbecken schützt, hatten wir einen prächtigen Blick über die Stadt, den Hafen und den großen Breiðafjörður, den Seebereich, der zwischen Snæfellsnes und den Nordwestfjorden liegt. Im Fährbüro mit Café und Shop machten wir eine kleine Pause, bevor es weiterging in Richtung Osten.

Eine Verpflegungspause legten wir an einer besonderen historischen Stelle ein. Im Haukadalur hat man vor einiger Zeit eine alte Hofstelle gefunden, die Erik dem Roten zugeordnet wird. Dieser wohl recht raubeinige Zeitgenosse kam Ende des 10. Jahrhunderts aus Norwegen mit Familie und Gefolge auf Island an. Nach weiteren gewalttätigen Streitigkeiten musste er die Insel verlassen und gründete mit Brattahlið eine Siedlung im südlichen Grönland, die mehrere Jahrhunderte bewohnt war. Eriks Sohn Leifur Erikson war einer der ersten Wikinger, die über Grönland nach Westen hinaus segelten, auf den amerikanischen Kontinent trafen und davon berichteten. Ganz in der Nähe von Eriks Hof in Island ist das Museum Eiríksstaðir entstanden mit einem Nachbau seines Langhauses.

Nach unserer Pause ging es weiter in Richtung Nordosten und über die Hochfläche Laxárdalsheiði, wo uns der Winter richtig begrüßte. Die Landschaft verschwand unter einer Schneedecke und das ließ erahnen, dass der Frühling hier oben im Norden eben doch noch eine Zeit entfernt ist. Wieder tiefer auf Meereshöhe war dann zwar alles frei, aber der Winter sollte uns tatsächlich in der kommenden Zeit noch tatsächlich beschäftigen. Unseren nächsten Ort Hvammstangi erreichten wir aber ohne Probleme, bezogen die Zimmer unseres Gästehauses und suchten dann schließlich am Abend in der Nähe des Hafens das Restaurant Sjávarborg auf. Von hier aus kann man einen schönen Blick über den Miðfjörður genießen, einen Seitenzweig des weit nach Süden greifenden Großen Fjords Hrútafjörður.

Die Karte der Wolkenbedeckung verhieß für diesen Abend, dass wir die Chance auf freien Himmel haben sollten und tatsächlich konnten wir gegen zehn Uhr abends ein erstes schwaches Nordlicht ausmachen. Also Kameras klarmachen und rein in die dicken Klamotten, und dann machten wir uns auf den Weg ein Stückchen weg von den Lichtern des Ortes. Nun hieß es warten, aber wir sollten nicht enttäuscht werden. Zeigte sich die Aurora Borealis, das Nordlicht, erst in einem schönen Bogen in nördlicher Richtung, konnten wir sie nach einiger Zeit in voller Pracht über das ganze Firmament bewundern. Zugegeben, man musste sich das Himmelsschauspiel doch erarbeiten, da es tatsächlich recht kalt und auch zugig war. Aber unser Wagen stand ja auch nicht weit und so konnten diejenigen, die einmal etwas aus der Kälte wollten, sich dort etwas aufwärmen; aber für solche Fälle haben wir den Wagen ja auch dabei. Nach zwei Stunden hatten wir dann auch genügend schöne Eindrücke gesammelt, sowohl mit Auge und Herz als auch mit der Kamera, und wir machten uns wieder auf den Weg zurück zu unserer Unterkunft, es war ein langer und erlebnisreicher Tag!


Freitag, 15. März.

Heute ließen wir es gemütlich angehen, schließlich stand auch keine große Fahrstrecke auf dem Programm. Nach dem Frühstück nutzten wir das noch trockene Wetter und begaben uns ein Stück in Richtung Norden auf der Straße, die um die große Halbinsel führt. Unseren ersten Stopp legten wir bei dem Campingplatz Illugastadir ein. Von hier aus ist es nur eine kurze Strecke an der Küste entlang zu Liegeplätzen von Kegelrobben und Seehunden. Insgesamt wirbt diese Region mit dem Slogan „Land of Seals“ und in Hvammstangi befindet sich das „Seal Center“, ein Museum, dass einem die Tiere und deren Lebensraum näherbringt. Einige Seehunde ließen sich tatsächlich gut beobachten und sie beobachteten uns natürlich auch. Leichter Schneefall setzte nun ein und sollte uns auch für den Rest des Tages noch begleiten.

Wir nahmen unseren Weg wieder auf, fuhren um die Nordspitze der Halbinsel herum und machten auf dem Parkplatz nahe des Felsens Hvítserkur halt. Mittlerweile schneite es doch einmal mehr, einmal weniger, sodass die Sicht auf den einzigartigen Felsen doch durch einige Flocken getrübt war. An einen Abstieg die steile Küste hinunter bis zum Wasser war nicht zu denken, schließlich war der Weg tatsächlich steil und sehr verschneit und der längere Weg in Richtung der südlich gelegenen Sandbank und dann entlang des Wassers schien auch keine einladende Alternative zu sein. Also ging es wieder zurück in den Wagen, schon bald hieß es aber wieder aussteigen. Die Straße vom Parkplatz auf die richtige Straße war doch mit einer ordentlichen Steigung gesegnet und der Schnee bildete auf dem teils gefrorenen Untergrund eine sehr schmierige Schicht, auf der auch die mit Spikes versehenen Reifen des Fahrzeugs nicht genügend Halt fanden. Also hieß es aussteigen und schieben, was mit vereinter Kraft auch zu dem erhofften Erfolg führte.

Wir vollendeten die Runde um die Halbinsel und fanden uns wieder in unserer Unterkunft ein. Es war zwar noch recht früh, aber so hatten wir nun auch einmal etwas Zeit um schon einmal Bilder zu sichten und zu sichern, um Reisetagebuch zu schreiben, um etwas zu lesen oder um auch einmal etwas auszuruhen. Zum Abend waren wir dann wieder vorge-merkt in unserem Restaurant Sjávarborg und wieder war es schmackhaft!

Der Abend blieb dann auch bedeckt, also war auch nichts mit Nordlichtschau; nun, etwas nächtliche Ruhe ist ja auch nicht schlecht!

Samstag, 16. März.

Die zwei Tage in Hvammstangi waren also auch schon wieder um und uns stand die Rückfahrt in Richtung Keflavík bevor. Mit Überfahrt über die Hochfläche Holtavörðuheidi verließen wir wieder den Norden, wobei die verschneite Landschaft uns noch eine Weile begleitete. Einen Stopp zum Beine vertreten machten wir ganz in der Nähe des Ortes Bifröst und besteigen dort den Vulkankegel Grábrók, der sich hier vor ungefähr 3000 Jahren in die Landschaft gesprengt hat. Mit seinen zwei Nebenkratern gehört der Grábrók zu den östlichsten Ausläufern des Vulkanismus auf der Snæfellsnes-Halbinsel und bildet einen sehr schönen und leicht zu begehenden Tuffring.

Mittlerweile hatten wir den Winter auch hinter uns gelassen und machten noch einen kleinen Abstecher, der uns zunächst zu der Quelle Deildartunguhver führte. Mit bemerkenswerter Beständig-keit fördert diese Quelle 200 Liter kochendes Wasser je Sekunde an die Oberfläche und diese Energie reicht aus, um die Städte Borgarnes und Akranes mit Wärme zu versorgen. Das heiße Wasser benötigt für die 80 km bis Akranes etwa 24 Stunden und verliert dabei nur 15°, bemerkenswerte Naturgunst!

Dass hier Hitze unmittelbar an der Oberfläche anstand, sahen wir noch an vielen weiteren Stellen, wo es dampfte oder heiße Quellen in kleinen Gebäuden eingefasst waren. Auch die Anzahl an Gewächshäusern verrät, dass hier Heizenergie aus dem Boden genutzt wird. Diese Gunst wusste auch Snorri Sturluson zu nutzen. Der Gode, Gesetzessprecher, Geschichtsschreiber und Dichter hatte im nahe gelegenen Reykholt (nord) seine große Hofstelle. Sein eigener Pool ist bei Bauarbeiten gefunden worden und wurde restauriert.

Noch eine weitere Anzahl von Gebäuden seines Hofes konnte ausgemacht werden und auch unter der alten Kirche aus dem 19. Jahrhundert fand man noch viel ältere Siedlungsreste. Unter der neuen Kirche hat man ein Forschungs- und Dokumentationszentrum eingerichtet zur Erforschung historischer Schriften.

Von hier aus fuhren wir noch etwas weiter den Weg in Richtung Osten und erreichten den Hraunfossar, einen einmaligen und sehr schönen Wasserfall. Ein Teil des Wassers des Flusses Hvítá dringt oberhalb des Falls in einen klüftigen Lavastrom ein. An dieser Stelle tritt das Wasser an einer Geländekante wieder unter der Lava wie aus hunderten von Quellen nebeneinander zutage und bildet eine Vielzahl kleiner Wasserfälle, die sich alle wieder in die Hvítá ergießen.

Dann hieß es jedoch auch von hier wieder Abschied zu nehmen und endlich in Richtung Keflavík zu fahren, denn schließlich erwartete uns auch schon wieder das Kaffi Duus zum Abendessen.

Noch an diesem Abend ereilte uns die Nachricht, dass es nahe des Ortes Grindavík erneut zu einem Vulkan-ausbruch gekommen war. Dass dieses eintreten würde, war schon seit Anfang des Monats als immer wahr-scheinlicher eingeschätzt worden, da im Gebiet um das Kraftwerk Svartsengi nach dem letzten Ausbruch am 8. Februar wieder eine beträchtliche Landhebung messbar war.

Sonntag, 17. März.

Zwar war es wie so oft an den Abschiedstagen der Island-Reisen sehr früh am Morgen, als wir ein kurzes Frühstück einlegten, dann den Wagen beluden und uns aufmachten zum Flughafen, aber ein Highlight stand uns noch bevor: von dem Ort Keflavík aus konnten wir den Vulkan sehen, wie er Lava in die Höhe schleuderte und den ganzen Himmel in Richtung Grindavík zum Glühen brachte. Was für ein Abschluss einer ohnehin schon gelungenen Reise!

Bis hoffentlich bald einmal wieder,
Euer Uwe

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